Prag - die Hauptstadt Tschechiens ist mit vielen Attributen behaftet: das goldene Prag, Stadt an der Moldau, Herz Europas. Letzteres trifft umso mehr zu, seit das Land am 1. Mai 2004 in die EU aufgenommen wurde.
In Prag wurde schon immer europäische Geschichte geschrieben. Was hier passierte, hatte Folgen: vom Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten 1968 bis zur Samtenen Revolution 1989, dem Ende des kommunistischen Regimes. Prag präsentiert sich heute als moderne Großstadt mit über einer Million Einwohnern. Das bedeutet aber nicht, dass die Stadt ihren Charme eingebüßt hätte. Im Gegenteil: Prag ist immer noch eine einzige Freilichtbühne – Kulisse pur. Fast das komplette Zentrum ist von der UNESCO als Denkmal anerkannt – geprägt von einer einzigartigen Mischung der Stile aller Epochen.
Karlsbrücke
400 Jahre lang war die auf 16 Pfeilern ruhende gotische Karlsbrücke die einzige Verbindung zwischen Altstadt und Kleinseite. Im 14. Jahrhundert hatte Kaiser Karl IV. sie von Peter Parler bauen lassen. 26 Heilige schmücken die 520 Meter lange und 10 Meter breite Steinbrücke. Der bekannteste ist sicher der Heilige Nepomuk. Ihm wird nachgesagt, dass er vor Hochwasser und Schiffsunglücken schützt. Das Handauflegen am Relief im Pfeiler soll Glück bringen – die blank geriebene Stelle beweist, dass die Besucher daran glauben.
Prager Burg mit St.-Veits-Dom
Die angeblich größte bewohnte Burg der Welt ist seit 1918 Präsidentensitz. Wenn die tschechische Fahne gehisst ist, dann ist der Präsident zu Hause. Zur Burganlage gehört der St.-Veits-Dom. Im 14. Jahrhundert von Kaiser Karl IV. gegründet, wurde er zunächst im gotischen Stil gebaut, 1929 dann im neugotischen Stil beendet. Faszinierend ist die Ähnlichkeit mit dem Kölner Dom. Wer das Ambiente der gesamten Anlage, inklusive Goldmachergässchen wirklich genießen möchte, sollte am frühen Morgen oder nachmittags kommen – denn sonst ist es hier einfach zu voll von Touristen.
Novy Svet – Neue Welt
Vorbei an der Loreto-Kirche, die den Gläubigen als Wallfahrtskirche dient, lohnt sich ein Abstieg in eine andere Welt. Nach dem großen Brand 1451 wurde dieser Teil fast ganz zerstört, später aber wieder aufgebaut. Der Name „Neue Welt“ stammt etwa aus dieser Zeit und bedeutete vor allem Hoffnung. Im 16. Jahrhundert war es die Untertanensiedlung der Prager Burg, das Armenquartier. In den letzten Jahren wurde es saniert und gilt heute als Künstlerviertel. Viele Maler haben hier ihre Ateliers. „Pan-Tau“-Regisseur Jindrich Polak wusste bereits in den 60er Jahren um den Reiz des Viertels, als er sich hier niederließ.
Vysehrad
Ein bizarrer Felsen am Moldauufer aufragende Fels genießt im tschechischen Volk höchste Verehrung: Visehrad, die „Hohe Burg“. Er gilt als die sagenumwobene Geburtsstätte der Tschechen. Von dieser Stelle soll Libussa, die jüngste der drei Töchter des weisen Fürsten Krok, die Gründung der Prager Burg prophezeit haben. Hier oben liegt auch der Ehrenfriedhof des Landes, der Slavin. Persönlichkeiten der tschechischen Geschichte haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Zu ihnen gehören unter anderen die Komponisten Dvorak und Smetana.
Linie 22 – Eine Stadtbesichtigung mit der Straßenbahn
In genau 68 Minuten fährt die Linie 22 quer durch Prag. Es sind 41 Stationen vom „Weißen Berg-Bila hora“ bis zum Bahnhof Hostivar, vorbei am Nationaltheater, an der Burg, an der Moldau, aber auch an Arbeitervierteln. Für ein paar Kronen kann man so ein ganz besonderen Blick auf Glanz und Alltag in Prag erleben. Nur auf seine Handtasche sollte man aufpassen. Die Linie 22 ist oft recht voll und ist als „Taschendiebexpress“ berüchtigt.
Altstädter Ring
Der älteste Prager Platz, schon im zwölften Jahrhundert Marktplatz für Händler, die hier Gewürze, Seide und Zuchttiere anboten, bietet eine atemberaubende Kulisse. Hier sind alle architektonischen Stilrichtungen vertreten: von der Teynkirche, dem Prachtstück böhmischer Gotik, bis zum Palais Kinsky, dem Haus mit der schönsten Rokokofassade Prags. Hauptanziehungspunkt ist allerdings die astronomische Uhr am Altstädter Rathaus mit der stündlichen Apostelparade.
Josefov – Josefstadt
Gleich um die Ecke vom Altstädter Ring liegt das jüdische Viertel. Erste Hinweise auf jüdische Siedlungen in Prag stammen aus dem zehnten Jahrhundert. Wahrscheinlich wohnten die Juden zunächst auf der Kleinseite und mussten im 13. Jahrhundert in das Viertel um die Altneusynagoge ziehen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Ghetto radikal saniert, Josefov sollte eine moderne Stadt à la Paris werden. Die heutige Pariser Straße ist mit namhaften und teuren Geschäften auf dem besten Weg dahin. Vom ursprünglichen Viertel sind neben ein paar Denkmälern nur der Alte Friedhof, das Rathaus und sechs Synagogen geblieben.
Franz Kafka
1927 ist er gestorben, und bis 1989 gab es die Bücher in seiner Heimat nicht. Dem kommunistischen Regime waren die Visionen wohl zu realistisch: Franz Kafka, Sohn eines jüdischen Gemischtwarenhändlers, schrieb Novellen, Romane und Kurzgeschichten in deutscher Sprache. Für Kafka war Prag ein „Mütterchen mit Krallen“. Für die Tourismusindustrie ist Kafka ein schier unerschöpflicher Werbeträger. Begraben wurde er auf dem neuen jüdischen Friedhof. An seinem Grab stößt man auf einen herzergreifenden Dichterkult. Immer wieder hinterlassen Verehrer des großen Schriftstellers Briefe, Danksagungen und kleine Geschenke.